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Spannende Zeiten

Alle Medien befinden sich wieder im Rückschau-Modus. Es sind wieder einmal die letzten Tage eines Jahres. Nach diesem je nach Betrachtungsweise ereignisreichen Jahr, freuen wir uns alle auf ein nächstes, weltpolitisch gesehen hoffentlich besseres Jahr.

Wechselnde Krisenherde

Corona, das noch anfangs Jahr die Schlagzeilen beherrschte hat sich wohl etwas abgeschwächt, was die überraschend tiefen Zahlen dieses Herbstes zumindest in Europa zeigten. Doch schaut man nach China und das Resultat deren Null-Covid Politik, so ist es wohl noch nicht ganz ausgestanden. Und Hand aufs Herz, seien wir ehrlich. Eigentlich war eine solche Epidemie logisch mit unserer zunehmend mobilen Weltbevölkerung.

Dieses Jahr neu dazu kam dieser stupide Ukraine-Krieg, dass uns wohl längerfristig zurück wirft in die Zeiten des kalten Krieges oder wie die Russen es neuerdings nennen, den kalten Frieden. Aber zuerst müsste dazu wohl der jetzige Krieg abkühlen.

Leider stehen die Zeichen auch im Kosovo nicht wirklich günstig und die sich neu formierenden Allianzen werden wohl auch keine Lösungen fördern. Lange hatten wir an eine mögliche Welt ohne Krieg geglaubt, so weit weg waren die damals aktuellen Konflikte. Doch nun werden wir eines Besseren belehrt. Auf einmal hat das Militär wieder Aufwind und von Abrüstung ist keine Rede mehr.

Nachhaltige Ereignisse

Auch an der Nachhaltigkeitsfront sind wieder viele Schlagzeilen zu vermelden. Obwohl einige in Amerika jetzt nach den Minus fünfzig Grad wohl glauben, dass es keine Klimaerwärmung geben kann. Aber dieses, wie auch viele andere Wetterextreme dieses Jahr zeigen anderes. Und die aktuellen Temperaturen und der erneut fehlende Schnee in Europa runden das Bild ab.

Neu gehen auch die Widerstandsformen in neue Dimensionen. Die Klimakleber werden dabei aber Ihre Botschaft, die sie eigentlich transportieren wollen, eher nicht vermitteln, weil die Aktionsform die ganze Aufmerksamkeit beansprucht und keine Zeit für den Inhalt bleibt. Und auch das Bewerfen von Kunstgegenständen mit Tomaten- und anderen Saucen dient wohl weniger der Sache und lenkt sogar davon ab, dass eigentlich politisch und ökonomisch gehandelt werden sollte.

Denk-Anstösse von einer unerwarteten Seite

Für eine positive Bewegung in dieser Sache sorgt ausgerechnet ein Krieg und die damit stark gewachsenen Preise für Benzin und Heizöl. Auf einmal werden sinnlose Beleuchtungen abgestellt und Energie-Effizienz wird zum neuen “Modewort” der Industrie, für die dann auch wirklich real Gelder gesprochen werden, weil es sich lohnt. Ein Krieg führt uns vor Augen, welchen Wert Strom und Öl eigentlich haben sollten, um eine nachhaltige Nutzung zu ermöglichen.

Und aufgrund der Beleuchtungsdrosselung können doch einige Menschen seit langer Zeit das erste Mal von zu Hause aus die Sterne sehen. Hoffen wir, dass das für mehr Weitblick sorgt…

Corona-Folgen

Interessanterweise hatte auch Corona einen durchaus positiven Nachhaltigkeits-Effekt. Die Transporte wurden so teuer und so unzuverlässig, dass es sich für gewisse Unternehmen wieder lohnt, lokal zu produzieren, anstatt alles billig in China einzukaufen. Die eh schon verrückte Just-in-Time Bewegung hat glücklicherweise ebenfalls einen Dämpfer erhalten. Es ist wieder wie früher, als man für den Winter Vorräte einlagern musste, um nicht zu verhungern.

Übersetzt in die Wirtschaft wieder Lager einzusetzen, damit die Förderbänder nicht wegen einem Detail komplett stillstehen. Aber eigentlich sollte das ja selbstverständlich sein oder hatten die Wirtschaftstrategen und -“Vordenker” tatsächlich den Eindruck, das diese Lieferketten langfristig verschont bleiben vor instabilen politischen Lagen und “unvorhersehbaren” Ereignissen wie eine Pandemie? Da gäbe es noch weitere Risikofaktoren, die noch gar nicht getriggert wurde. Das man überhaupt eine solche verletzliche Lieferketten-Form eingeführt hat, zeugt eigentlich nicht von Weitblick (vgl. oben, die Sterne werden’s vielleicht richten…).

Nachhaltig wirtschaften – der neue Trend

Bald wird wohl auch Wasser-Effizienz zum Thema werden und nachhaltiges Wirtschaften wird automatisch immer mehr salonfähig. Und das freut letztendlich. Und ist auch bitter nötig. Denn die Nachhaltigkeits-Umsetzungsgeschwindigkeit muss nicht nur leicht beschleunigt werden, da braucht es schon einen weiter antreibenden Faktor, damit die Welt auch noch in dreissig Jahren lebenswert ist.

Einen anderen weiteren Nachhaltigkeits-Effekt hatte Corona auch zu vermelden. Auf einmal sind Kurzstreckenflüge auch wirklich verpönt und mit einer Wochenende Shopping-Tour nach London oder New York kann man nicht mehr angeben. Und ehrlich gesagt, hat man auch schon bald ein schlechtes Gewissen, wenn man nur einmal im Jahr einen Langstrecken-Flug bucht. Da sollte einfach zwingend eine Klimaabgabe darauf gebucht werden, denn fliegen ist immer noch viel zu billig.

Kann die Politik bewegen?

Ein weiterer Corona-Effekt ist, dass wir nun wissen, das die Politik schnell und durchgreifend reagieren kann im Falle von Krisen. Selbst die politisch behäbige Schweiz entwickelte ein erstaunliches Tempo. Das dient nicht mehr als Entschuldigung.

Dass aber Klimagipfel die Welt wirklich bewegen können, hat Kairo gezeigt. Vor allem Flugbewegungen… So “parkte” der Flieger von Olaf Scholz auf Zypern, weil es in Kairo keinen Platz mehr hatte. Wahrlich nachhaltig in Zeiten der immer flüssiger werdenden Video-Konferenzen.

Aber Politik kann bewegen. So hat Norwegen beispielsweise immer noch zum Ziel ab 2025 die Inbetriebnahme von Verbrennungs-Motoren zu verbieten und will sich auch in vielen weiteren Themenfeldern profilieren.

Natürlich ist das Modell, nur noch auf Elektroautos zu setzen, regional unterschiedlich zu sehen. In vielen Ländern gäbe es aber auch schlichtwegs zu wenig Platz für die benötigten Stromerzeugung bei reiner E-Mobilität. Daher blicken wir weiter aufmerksam nach Japan und deren Erfahrungen mit Wasserstoff.

Wie weiter?

Tja, das ist die derzeit wohl drängendste Frage. Antworten könnten im lokalen Wirtschaften liegen, in der dadurch entstehenden Minimierung der notwendigen Mobilität. In biologischen und artenvielfalts-förderden Umgebungen, grünen Hausfassaden und Solardächern.

think global – act local war mal die Devise, die uns wieder guttun würde.

In diesem Sinne ein gutes Silvester-Fest und einen guten Start in ein hoffentlich möglichst friedliches und vielleicht sogar etwas nachhaltigeres neues Jahr.

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